TIMERIDE Historischer Blog

Rosenmontag vor 100 Jahren

Feiern in ersten Zeiten – darf man das? Im Kölner Karneval ist das keine unbekannte Frage, immer wieder stellt man sie sich. Auch vor 100 Jahren  

von Jonas Mortsiefer am 09.02.2026

Krieg und Karneval

1926 steht Köln zwischen den Stühlen: Einerseits geht die britische Besatzungszeit geht zu Ende, der Rosenmontag rückt näher. Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Doch gleichzeitig schaut die Stadt auf über ein Jahrzehnt ohne Karneval zurück. Nach so langer Zeit sind die Menschen erlebnishungrig!

Bis 1914 ist der Kölner Karneval bereits ein hochorganisiertes Großereignis: Vereine, Sitzungen, Musik, Zuglogistik – und ein Publikum weit über die Stadt hinaus. Der Rosenmontagszug ist der sichtbarste Ausdruck und Höhepunkt dieses organisierten Feierns: „Die Stadt gehört den Narren“ – im Rahmen klarer Regeln, mit Bühnenwirkung und Ventilfunktion.

Mit dem Ersten Weltkrieg verschiebt sich das Koordinatensystem. Ausgelassenes Feiern scheint in den ernsten Zeiten fehl am Platz – der Rosenmontagszug fällt ab 1915 aus. Nach dem Waffenstillstand von 1918 kehrt keine Vorkriegsnormalität zurück: Das Rheinland bleibt zur Absicherung Frankreichs unter alliierter Besatzung. Für die Menschen in Köln ist die britische Präsenz schwierig – die Besatzer sind umgänglich und korrekt, aber erinnern doch immer wieder an die Fremdbestimmung. Öffentliche Feiern bleiben eingeschränkt, der Straßenkarneval ist verboten – insgesamt von 1915 bis 1926 ohne regulären Rosenmontagszug. In der Stadt versucht Erzbischof Schulte 1924/25 öffentlich, eine Wiederbelebung des Karnevals zu bremsen – als Warnung vor „Enthemmung“ in instabilen Zeiten.

Am 31. Januar 1926 ziehen die letzten britischen Soldaten aus Köln ab. Für die Kölnerinnen und Kölner ein Grund zum Feiern! Vor dem Dom versammelt sich die ganze Stadt, um gebannt Oberbürgermeister Konrad Adenauer zu lauschen, der nichts weniger ausruft als die Rückkehr in die Selbstbestimmtheit und Freiheit. Und nicht wenige dürften sich gefragt haben, ob dies auch für die damals vor der Tür stehenden Karnevalssession gelten würde.

Immerhin sind seit 1925 öffentliche karnevalistische Veranstaltungen wieder möglich – solang sie in geschlossenen Räumen stattfinden. Nach Jahren des allgemeinen Karnevalsverbots für viele Menschen ein Hoffnungsschimmer. Doch nach wie vor halten Verwaltung und Polizei den Straßenkarneval für riskant und unpassend – auch mit Blick auf die schlechte Wirtschaftslage.

In der Stadt ist man ist hin und hergerissen – soll wieder gefeiert werden?

Prinz Adalbert I. am Neumarkt – VR-Experience Köln 1926

Rosenmontag 1926: „verbotener Karneval“

Am Rosenmontag 1926 setzt das Dreigestirn dennoch ein sichtbares Zeichen. Prinz Adalbert I. (Dr. Adalbert Oster) lässt es sich nicht nehmen, in einer offenen, vierspännigen Kutsche durch die Stadt zu fahren – bis nach Deutz zum damals noch jungen Messegelände. Dort will er zu einer Karnevalssitzung. Die Menschen lassen sich nicht mehr aufhalten. Sie strömen auf die Straße, häufig in Alltagskleidung oder mit improvisierten Kostümen, und jubeln dem Prinzen zu. Der Polizei bleibt nichts übrig, als beide Augen zuzudrücken.  

Ein starkes Zeitbild für diese Übergangszeit liefert das Gemälde „Verbotener Karneval“ von Heinz Kroh (entstanden 1923/26, heute im Kölnischen Stadtmuseum): Es zeigt eine große, lautstarke Gruppe auf der Straße – die meisten ohne Kostüm, aber mit einzelnen Clowns; vorn marschiert eine Frau, die Becken schlägt, und in der Menge ist sogar ein britischer Offizier zu erkennen. Das Bild macht greifbar, wie Karneval in diesen Jahren aussieht.

Düstere Zukunft

In den folgenden Jahren heißt es dann endlich wieder “d’r Zoch kütt” – der Rosenmontagszug findet statt genauso wie der Straßenkarneval. Die Hoffnungen auf bessere und unbeschwerte Zeiten aber sollten sich langfristig nicht erfüllen. Auch im Rheinland und in Köln fassen die Nationalsozialisten Fuß mit ihrer Hetze und Erzählungen von nationaler Kränkung und „Wiederherstellung alter Größe“. Ab 1933 werden Sitzung und Zug zunehmend zum nationalsozialistisch gerahmten „Volksvergnügen“, kontrolliert und inhaltlich gelenkt. Der Zweite Weltkrieg führt schließlich zur fast vollständigen Zerstörung des alten Kölns. 1945 ist die Stadt eine Trümmerlandschaft, die Flüchtlinge und Heimkehrer erschüttert. Vom improvisierten Aufbruch 1926 bis zur Trümmerstadt 1945 spannt sich in Köln ein historischer Bogen. TimeRide greift beide Zeitpunkte als VR-Experience auf:

Jonas Mortsiefer

Hat im Master Public History studiert, kann sich Jahreszahlen nur bedingt gut merken und fragt lieber danach, was die Menschen von damals bewegt und angetrieben hat und was das mit der Gegenwart zu tun hat. Beispielsweise auf seinem Interessengebiet von historischer Architektur und Städtebau – denn, wenn man so will, ist beides nichts anderes als manifestierte Ideengeschichte und gebaute Vergangenheit.

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