TIMERIDE Historischer Blog
Köln und die Fastenzeit
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei (ist alles vorbei)
Die Schwüre von Treue, sie brechen entzwei (sie brechen entzwei)
Von all deinen Küssen darf ich nichts mehr wissen
Wie schön es auch sei, dann ist alles vorbei.“
Jupp Schmitz – Am Aschermittwoch ist alles vorbei, 1953
von Astrid-Kristin Linne von Berg am 24.02.2026
Der Beginn der Fastenzeit in Köln
Nach sechs Tagen voller Gesang, Festumzügen, Sitzungen und dem ein oder anderen Kölsch ist alles vorbei – mit dem Aschermittwoch endet die Session und der Beginn der Fastenzeit wird eingeläutet. In Köln wird traditionell am Abend des Veilchendienstag der Nubbel verbrannt, ein Ritual, mit dem die Kölner:innen sich von den Sünden, die sie während der Karnevalszeit begannen haben könnten, reinwaschen und sündenfrei in die Fastenzeit übergehen.
Die Karnevalsgesellschaften treffen sich am Aschermittwoch ein letztes Mal – ohne Kostüm und Schminke – zum gemeinsamen Fischessen und Ehren damit auch den Namen ihrer geliebten Tradition. Denn das Wort „Karneval“ setzt sich zusammen aus den lateinischen Worten „carne“ und „vale“ und bedeutet grob übersetzt: „Fleisch, lebe wohl!“ In der folgenden Fastenzeit sollen die Christen sich an die entbehrungsreichen 40 Jahre der Israeliten in der Wüste, sowie Jesus‘ 40 Tage des Betens und Fastens in der Wüste erinnern und durch das eigene Fasten die Leiden und das Gefühl der Entsagung zu einem kleinen Teil nachempfinden.
Heutzutage ist das Fasten in der Gesellschaft um viele Genuss- und Suchtmittel erweitert worden: Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, aber auch Social Media-Fasten und Shopping-Fasten sind gang und gäbe. Doch was machen die Kölner:innen, um sich in der Fastenzeit abzulenken?
Frühjahrsputz: Produktive Ablenkung
Raus mit dem Alten, rein mit dem Neuen – der Frühjahrsputz! Ein Ritual, dessen Wurzeln weit verzweigt sind, doch wie so oft finden sich bereits bei den alten Römern erste Hinweise auf dieses Ritual, unter anderem beim sogenannten Februa–Fest. Dabei handelte es sich um ein Reinigungsfest zum Ende des Jahres, bei welchem die Tempel und heiligen Stätten gesäubert wurden und die Gläubigen sich symbolisch von ihren Sünden reinigten. Sich von seinen Sünden reinwaschen gibt es also auch in Köln nicht erst seit der Nubbelverbrennung, sondern bereits zu den Zeiten von CCAA – Colonia Claudia Ara Agrippinensium.
Für die Reinigung wurden die sogenannten februum genutzt, Reinigungsinstrumente – meist Streifen aus Ziegenfell – mit welchem die Priester:innen (später Lupercii genannt) Passanten berührten, um diese von Sünden zu reinigen, die Fruchtbarkeit der Frauen zu fördern und ihnen eine leichte Geburt zu ermöglichen. Zudem waren auch Tieropfer, beispielsweise Ziegen oder auch Hunde, ein gängiges Ritual der Fruchtbarkeit und Reinigung…vielleicht ist es ganz gut, dass wir heute stattdessen unsere Kleiderschränke ausmisten und das eine Mal im Jahr die Fenster putzen.
Februa wurde im Laufe der römischen Antike vom Fest Lupercalia abgelöst, doch die Rituale der Reinigung und Fruchtbarkeit blieben bestehen. Und eines hat sich auch von der Antike bis heute nicht geändert: Mit dem Frühjahrsputz verabschiedet man den Winter, heißt den Frühling willkommen und bereitet sich auf das restliche Jahr vor. Und so hat man auch eine gute Ablenkung, um die Fastenzeit gut zu überstehen.
Astrid-Kristin Linne von Berg
Hat im Master Kunstgeschichte an der Universität zu Köln studiert und sich dort vor allem in den Gebieten Kunstmarkt, Bau- und Denkmalpflege und Kunstgeschichte der Frühen Neuzeit bewegt. Ihr Herz schlägt aber vor allem für die Kostüm- und Theatergeschichte, weshalb ihre Motivation darin liegt, dass die TIMERIDE-Standorte nicht nur in der virtuellen, sondern auch in der echten Realität ein Ort lebendiger Geschichte sind.
Hier könnt ihr eine Zeitreise machen
Unsere Gäste tauchen in jedem SENSEUM und bei jedem TIMERIDE GO! Stadtrundgang, mit allen Sinnen in die Geschichte ein. Jeder TIMERIDE ist einzigartig und lässt in den Städten Köln, Frankfurt, München, Berlin, Dresden und im Kloster Andechs längst vergangene Zeiten wieder aufleben.